Die Idee klingt vernünftig: gute Noten, dafür der Kasten, den sich das Kind seit Monaten ansieht. In der Praxis verändert diese Kopplung beides, die Schule und das Spielzeug, und meistens nicht zum Guten.
Die Rechnung, die Eltern aufmachen
Der Gedanke dahinter ist eine Bezahlung: Leistung gegen Ware. Damit bekommt ein Gegenstand eine Aufgabe, für die er nicht gemacht ist. Ein Konstruktionsspielzeug, wie es etwa bei K’NEX zu sehen ist, ist ein Werkzeug zum Ausprobieren und kein Lohn.
Was aus dem Kasten wird
Er steht danach nicht als Spielzeug im Regal, sondern als Beleg. Kinder merken das sehr genau. Gebaut wird dann einmal, ordentlich, damit man gesehen hat, dass es sich gelohnt hat, und danach steht er.
Wenn die Note nicht kommt
Das ist der eigentliche Bruch. Die Vier in Mathematik ist dann nicht mehr nur eine Vier, sondern kostet zusätzlich das Ding, auf das man sich gefreut hat. Ein Kind, das ohnehin schon frustriert ist, bekommt eine zweite Strafe obendrauf, und zwar für etwas, das es nicht immer steuern kann.
Bauen ist kein Schulfach
Der Reiz an Stäben und Verbindern liegt darin, dass es kein Richtig und kein Falsch mit Rotstift gibt. Ein Turm fällt um oder er fällt nicht um, das ist die ganze Bewertung. Diese Freiheit geht verloren, sobald das Material aus dem Zeugnisgespräch stammt.
Der Zeitpunkt passt selten
Zeugnisse kommen kurz vor den Ferien. Genau dann ist die Wohnung leer oder der Alltag durcheinander, und ein neuer Kasten wird angerissen, angeschaut und beiseitegelegt. Der ungünstigste Moment für den ersten Bauabend ist der, an dem alle etwas anderes vorhaben.
Was stattdessen sinnvoll ist
- Den Kasten unabhängig von Noten kaufen, wenn das Interesse da ist.
- Den ersten Abend gemeinsam bauen, statt ihn zu übergeben.
- Anerkennung für Anstrengung aussprechen, nicht für die Zahl.
- Bei schwachen Fächern Zeit einplanen, nicht Belohnungen.
- Wünsche des Kindes ernst nehmen, auch wenn sie nichts mit Technik zu tun haben.
Anerkennung und Bezahlung sind zweierlei
Zu sagen, dass man die Arbeit eines halben Jahres gesehen hat, kostet nichts und wirkt länger als jede Packung. Wer trotzdem etwas schenken möchte, kann das tun, ohne eine Bedingung daranzuhängen.
Wenn Sie es bereits versprochen haben
Dann halten Sie es, auch wenn die Note anders ausgefallen ist. Ein zurückgenommenes Versprechen richtet mehr Schaden an als ein Baukasten je gutmachen kann. Für das nächste Halbjahr wird die Abmachung dann einfach nicht wiederholt.
Kurz gesagt
Kaufen Sie den Kasten, weil er zum Kind passt, oder kaufen Sie ihn nicht. Als Währung für Zeugnisnoten taugt er nicht.
